Kurzfristige Beschaffung = meistens teuer
Viele Unternehmen haben zuletzt eher auf eine kurzfristige Beschaffungsstrategie gesetzt – doch die tatsächlichen Energieeinkaufskosten wurden regelmäßig teurer. Wer nur ein bis zwei Jahre im Voraus beschaffte, hat z. B. die extremen Preisanstiege ab Herbst 2021 mitgemacht. Wer bis 2024 oder besser 2025 abgesichert hatte, war fein raus. Er war hinter der Preiswelle, die bei Krisen zumindest die beiden Frontjahre deutlich verteuert hat.
Volatile Gaspreise = viel Arbeit, wenig Vorteil
In der Straße von Hormus zeigt sich erneut, wie sensibel und volatil sich der globale Gasmarkt auf die Importpreise und die Frontjahre auswirkt. Eskalationen und Angriffe auf die Energieinfrastruktur führen unmittelbar zu steigenden Risikoprämien und damit zu Preissprüngen. Auch wenn die Preise wieder etwas nachgegeben haben: Stabilität wie bis Anfang der 2020er Jahre wird es nicht mehr geben – weder energiepolitisch noch handelsseitig. Von diesen Entwicklungen abhängig zu sein, macht nicht nur viel Arbeit, sondern liefert für das eigene Budget wenig Vorteile.
Krise + Markt = Risiko
Kurzfristige Beschaffungsstrategien sind anzuraten, wenn die Preise bereits hoch sind und man selbst „short“ ist. Strategisch ist die kurzfristige Beschaffung aber zum Preisrisiko geworden. Zukünftige Risiken sind bereits sichtbar: Die EU-Methanverordnung, potenzielle US-amerikanische Exportbeschränkungen oder der nächste Regierungswechsel gehören dazu wie ein Konjunkturplus in Asien oder ein höherer Erdgasverbrauch in den USA zur Stromerzeugung für KI-Rechenzentren.
Verlässlichkeit + Planbarkeit = Sicherheit
Um in diesem Umfeld Budgetsicherheit zu erzielen, muss die Beschaffungsstrategie angepasst werden: weg von den Preisspitzen der Frontjahre hin zu den günstigen Jahren ab 2029. Energieintensive Betriebe sind dabei besonders gefordert, da sie auf politische Verlässlichkeit und planbare Kosten angewiesen sind und die Perspektiven unsicher sind. Dies spricht für eine kurzfristige Strategie, die aber teuer ist. Aktuell ist der Preis für Cal-30 bei unter 24 €/MWh (inflationsbereinigt auf Vorkrisenniveau) und für Cal-27 bei 36 €/MWh. Bei 100 GWh/a ergibt sich eine Differenz von 100.000 MWh × 12 €/MWh = 1,2 Mio. €. Man kann darauf hoffen, dass der Preis für Cal-30 nicht steigt. Dann sollte die nächste Krise, die unerwartete politische Entscheidung oder eine neue Marktentwicklung (nach „Backwardation“ kommt „Contango“) kein Anlass zur Enttäuschung sein.
Langfristige Absicherung = Strategieelement
Die Absicherungsmöglichkeiten sind bei vielen Lieferanten auf die nächsten drei Frontjahre bis Cal-29 begrenzt und damit für langfristige Stabilität nicht ausreichend. Die seit vielen Jahren vorherrschende „Backwardation“ – also hohe Preise im kurzfristigen und günstige Preise im langfristigen Bereich – erlegt Unternehmen geradezu die Notwendigkeit auf, günstig für die Zukunft abzusichern. Eine solche Strategie erhöht nicht nur die Planungssicherheit, sondern sie verschafft dem Unternehmen bei Preissprüngen einen Wettbewerbsvorteil. Sie ist Teil des Risikomanagements.
Flexibilität sichern
Die unklare Entwicklung der Energiewende verstärkt die Lage zusätzlich. Umso wichtiger ist es, Beschaffungsmodelle flexibel zu gestalten. Sie müssen mit Transformation und Dekarbonisierung kompatibel sein. Besonders, wenn durch Effizienz oder Elektrifizierung der Erdgasbedarf sinkt. Nur dann kann eine Langfristbeschaffung optimal wirken.
Fazit
Die Frage der richtigen Energiebeschaffung ist ein Dauerbrenner. Störungen der Märkte wirken sich besonders auf die kurzfristigen Preise und die beiden Frontjahre aus. Eine kluge Langfriststrategie gibt Sicherheit und entlastet das Erdgasbudget deutlich. Die Umsetzung ist kein „business as usual“, da sich die Liquidität der Märkte auf die nächsten drei Jahre konzentriert. Die Absicherung von Cal-Produkten ab 2030 benötigt besondere Marktkenntnisse und eine sorgfältige Vorbereitung. Der Lohn sind Wettbewerbsvorteile und Ruhe im Beschaffungsthema. Worauf warten Sie?