Das führte dazu, dass die Spotmarktpreise von ca. 9 bis 17 Uhr negativ waren und zwischen 11 und 16 Uhr ins bodenlose fielen. In den meisten Mittags-Viertelstunden wurde der technische Mindestpreis von minus 500 €/MWh erreicht.
Flexibilitätsanbieter als Gewinner
Freuen konnten sich Anbieter von Flexibilitätspotentialen und Speicherbetreiber – auch im Ausland. Ich selbst besitze einen Smart Meter und einen dynamischen (Day-Ahead-) Spotmarkttarif, sodass ich mein E-Auto an den Tagen zuvor nicht geladen und es während der günstigsten Stunden über die empfohlenen 80 % hinaus auf volle 100 % Batteriekapazität aufgeladen habe. Zusätzlich habe ich die 9 kW starken elektrischen (Power-to-Heat-)Heizpatronen meines 750-Liter-Warmwasserspeichers angestellt, da bei minus 500 €/MWh trotz Netzentgelten, Steuern und Abgaben noch ein Gewinn entsteht. Der Vorteil war überschaubar, aber ich konnte mich „systemdienstleistend“ verhalten und das Stromnetz entlasten. Die 60 kWh, die ich in das E-Auto geladen habe, brachten mir ca. 20 € Vorteil und damit mehr als eine Kiste Bier ein, sodass der 1. Mai schon mal gerettet war!
Steuerzahler als Verlierer
Anders sieht es für die deutschen Steuerzahler aus, die die EEG-Umlage via Klima- und Transformationsfond (KTF) finanzieren. Der KTF wird im Jahr 2026 über das „Sondervermögen“ für Infrastruktur und Klimaschutz mit ca. 10 Mrd. € bezuschusst. Besonders die älteren PV-Anlagen, die einerseits noch hohe feste EEG-Vergütungen erhalten und andererseits nicht vom Netzbetreiber abgeregelt werden können, haben die PV-Erzeugung über Mittag auf mehr als 50 GW hochkatapultiert. Mit den weiteren nicht abschaltbaren Erzeugern stieg die Gesamterzeugung auf ca. 70 GW. Demgegenüber lag der Gesamtbedarf in Deutschland aufgrund des Feiertages nur bei maximal etwa 47 GW. Von der Differenz gingen ca. 10 MW in den Export, der Rest sind im Wesentlichen die inländischen Speicher und Netzverluste. Hauptimporteur war Dänemark mit knapp 4,5 GW, was der maximalen Netzkuppelkapazität nach Dänemark entspricht. Die Dänen haben daraus ein Geschäftsmodell gemacht, indem sie ihre eigenen Windparks drosseln, unseren PV-Überschuss übernehmen und ihn teilweise in die anderen nördlichen Länder zum Auffüllen der Pumpspeicherwerke weiterleiten. Der Wert des allein nach Dänemark exportierten Stroms betrug rund 4.500 MW * 6 h * durchschnittlich minus 300 €/MWh = ca. 8 Mio. €. Eine ähnliche Größenordnung entfiel auf die anderen benachbarten Importeure (Benelux, CZ, PL, F, A und CH). Für den Steuerzahler schmerzt aber mehr die hohe Differenz aus der EEG-Vergütung an die Anlagenbetreiber und den Negativpreisen, die auf dem EEG-Umlagekonto verbucht wird. Berücksichtigt man, dass bereits bei einem positiven Marktwert (PV-Strom im Jahr 2025 ca. 45 €/MWh) durchschnittlich ca. 50 Mio. € pro Tag an alle EEG-Anlagenbetreiber ausgezahlt werden, wird der 1. Mai einen Fehlbetrag in dreistelliger Millionenhöhe verursacht haben.
Stromnetz im Stress
Dazu kam die Gefahr der Überlastung des Stromnetzes. EE-Experten riefen die ca. fünf Millionen Hausdach-PV-Anlagenbetreiber im Vorfeld via Bildzeitung auf, ihre Anlagen selbst abzuschalten. Diesem Aufruf wurde aber höchstens in Einzelfällen gefolgt, wie die Daten zeigen. Das zeigt, dass es den meisten EE-Anlagenbetreibern nicht in erster Linie um Versorgungssicherheit und Klimaschutz geht, sondern um eigene wirtschaftliche Vorteile. Expertenschätzungen gehen von 25 bis 30 Mio. € Redispatchkosten aus, die zusätzlich über die Stromnetzentgelte auf die Stromverbraucher abgewälzt werden.
Fazit
Der ungebremste Ausbau von Wind und PV bringt das Strom- und Finanzierungssystem an seine Grenzen. Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche hat die Ineffizienzen und Gefahren für die Netzstabilität erkannt und möchte die Energiewende durch die Reform des EEG bzw. durch das sogenannte Netzpaket neu ausrichten. Die Priorität muss auf steuerbaren Erzeugern, dem Netzausbau, der Flexibilisierung und der Stromspeicherung liegen. Mit diesem Vorhaben bringt sie eine mächtige Lobby gegen sich in Stellung und wird dazu als unbeliebtestes Kabinettsmitglied von der deutschen Bevölkerung angesehen. Ich wünsche ihr viel Erfolg bei den erforderlichen Reformen!